FR 10.7.2012: Weißkirchens stille Mitte

Weißkirchens stille Mitte

 Von OLAF VELTE 

Stefan und Lina Dillmann vor dem Barockbau der alten St. Johanniskirche.  Foto: Michael Schick

Verein kümmert sich um den Erhalt von St. Johannis / Neuer Fußboden

Ein Sonnensegel hat sich selbstständig gemacht. Stefan Dillmann arbeitet im leeren Kirchenschiff, bringt die Aufhängung wieder in Schuss. Ungehindert gleitet das morgendliche Licht über rissigen Wandverputz und sich hinschlängelnde Brombeerranken.

Seit fast dreißig Jahren steht die Weißkirchener St. Johanniskirche ohne Dach, allen Wetter-Kapriolen schutzlos preisgegeben. Aber Stefan Dillmann kümmert sich: Mitte 2009 hat er den Verein zum Erhalt der Johanniskirche (VEJ) aus der Taufe gehoben – „weil alles zerfiel und zuwucherte“. Im vergangenen Sommer wurden neue Elektroleitungen und ein Fußboden verlegt. „Alles in Eigenleistung.“ Eine sechs Wochen dauernde Schufterei, die sich gelohnt hat. Wo die Veranstaltungsgäste früher durch Matsch und Kies staksten, trägt jetzt massives Eichenholz.

Es sind die Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge, mit denen zumindest das Nötigste getätigt werden kann. Noch immer steht eine Überdachung des Baudenkmals ganz oben auf der Wunschliste – ohne finanzielle Hilfe jedoch nicht umsetzbar. Das Eindringen von Regen und Schnee hinterlässt Spuren: Risse durchziehen das Mauerwerk, auch im überdachten Teil blättert der Putz. Noch in diesem Jahr wollen Dillmann und seine Mitstreiter die Sakristei zu einem Vereinsraum umbauen: „Damit wir unsere Stühle, Tische und Werkzeuge ordentlich lagern können.“

Obwohl der ehemalige Sakralbau nun einer weltlichen Ordnung gehorcht, herrscht eine einzigartige Atmosphäre an diesem Ort. Hier, in unmittelbarer Nähe zu der 1854 gebauten Volksschule und Bürgermeisterei, war der Dorfmittelpunkt des alten Weißkirchen. Vor der Kirchenruine erstreckt sich der im 14. Jahrhundert angelegte Friedhof – heute eine Wiesenfläche mit einem uralten Weißdornbaum und dem einsamen Kindergrabstein nahe der Mauer.

„Hier kann man zu sich selbst kommen“, sagt Stefan Dillmann, der besonders die abendliche Stimmung des weltabgewandten Platzes schätzt. Ein Zauber, den er mit den Bewohnern des Oberurseler Stadtteils gerne teilen möchte: „St. Johannis ist ideal, um öffentlich genutzt zu werden.“ Weißkirchens Teenager haben dies schon erkannt – während der Jugendtage 2011 wurde das Areal miteinbezogen. Lina Dillmann, Tochter des Vorsitzenden und Jugendtreff-Mitglied: „Hier konnten sich auch einheimische Rockbands präsentieren.“ Ein Kontrast, der durchaus kreatives Potenzial freisetze. Auch 49 Jahre nach dem letzten abgehaltenen Gottesdienst lassen sich noch Entdeckungen machen. Über dem Altarblock befindet sich eine in den 1920er Jahren gemalte Kreuzigungsszene – Mädchen aus Weißkirchen sollen damals Modell gestanden haben. In der zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen Kapelle hat sich das Kreuzrippengewölbe erhalten. Hinter den Überstreichungen kommen mittlerweile die alten Farben und Motive zum Vorschein.

Wer am Samstag zum Auftritt von Hans Zippert kommt, kann sich nicht nur an satirischen Scharfsinnigkeiten ergötzen, sondern auch jenem Spruch nachsinnen, der auf dem Missionskreuz zu lesen ist: „Rette deine Seele“.

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Loriann Montague (Sonntag, 05 Februar 2017)


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Fr

07

Dez

2018

Advent in der Johanniskirche

mit musikalischer Untermalung durch das „Gemischte Doppel“ der Germania. Ein weihnachtlich, festlicher Abend für die ganze Familie: Adventslesung und Musik, Heißer Punsch und Adventsgebäck. 

 

Beginn: 18 Uhr

 

Sa

04

Aug

2018

Hans Zippert

Er gibt Satire-Abende, der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic und Kolumnist der Tageszeitung Welt ("Zippert zappt"). Er lebt nach eigenen Angaben "seit 25 Jahren unter Oberurselern. Seit dieser Zeit erforscht er, ob es intelligentes Leben" in unserer Stadt gibt. Nun ist er demnächst einmal wieder in der Johannis-kirche, in der Urselbachstraße, und liest aus seinen Werken. Dabei zeigt er, so kündigt er an, "faszinierende, größtenteils scharfe Farbbilder". Was genau er in sein neuestes Programm gepackt hat, verrät er noch nicht. Seine Leser und Hörer können sich aber ganz sicher auf originelle und scharfzüngige Aussagen freuen.

Sa

16

Jun

2018

Die Saxophonbesitzer 2018

 

„Die Saxophonbesitzer“ spielen seit 2014 zusammen, zunächst als Saxophon-Quartett in der ungewöhnlichen Besetzung mit zwei Alto- und zwei Bariton-Saxophone, seit 2016 ergänzt um zwei weitere Saxophonisten, sodass in der aktuellen Besetzung nun fast alle Mitglieder der Saxophon-Familie vertreten sind.

 

Sie bringen mit diesem speziellen Sound Musik des Barock über Gospel, Blues, Jazz bis hin zu lateinamerikanischen Rhythmen auf die Bühne. Stücke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Charlie Parker, Thad Jones gehören daneben ebenso in ihr Repertoire wie eigens diesem Quartett gewidmete Kompositionen, die Hazel Leach und Christian Korthals für ihre ungewöhnlichen Besetzung arrangiert haben. Darauf sind sie mit Recht besonders stolz. Auch Stücke der Bariton-Saxophonistin, Katharina Thomsen erweitern das Repertoire um die Bereiche Funk, Rock und Pop-Musik.

 

Zu hören sein werden  Ludger Busch (Alto-Sax/ Tenor-Sax/ Bariton Sax), Ralf Frohnhöfer (Soprano-Sax/ Alto-Sax/), Leonard Rehm (Tenor-Sax), Michael Sach (Sopran-Sax/Kontrabass Saxophon), Johannes Seel (Alto-Sax/Bariton-Sax/ Arrangements) und Martin Zörb (Alto/Bariton Sax)."